Laden
Kuh auf Alm

Milchverzicht mag Almen nicht

Die Milchquote in der EU ist mit April 2015 Geschichte. Über Folgen für unsere klein strukturierte Landwirtschaft abseits von Laktose-Intoleranzen.

Bisher durften landwirtschaftliche Betriebe ja nur bis zu einer bestimmten Menge liefern, ansonsten fielen Abgaben an, die eine Überproduktion wirtschaftlich unrentabel machten. Es wird befürchtet, dass die klein strukturierte Landwirtschaft mit den großen Produzenten nicht mehr mithalten kann. „Ja und?“ werden Milch-Gegner fragen, die sowieso gegen den Konsum dieser Emulsion sind, weil Milch ihrer Ansicht nach ohnehin nur etwas für Babys und Kalbl’n ist.

Ethisch, gesund und nachhaltig – im Alpenraum
Für Milchgegner zählen oft nur die diversen „Drinks“ aus Soja, Hafer, Reis oder Mandeln – die gesetzlich nicht Milch heißen dürfen, weil sie nicht tierisch sind. Ethisch, gesund und nachhaltig wären diese Alternativen. Nur: Was macht man dann mit dem inneralpinen Grasland? Die Schafe, Ziegen und Kühe auf die Alm führen, um das allseits beliebte Landschaftsbild zum Wandern und Mountainbiken zu erhalten und die Tiere anschließend zum Gnadenbrot auf Gut Aiderbichl schicken? Oder gar keine Tiere mehr halten und die Weideflächen zuwachsen lassen? Keine gute Lösung? Dann die Bauern fürs Mähen unserer Outdoor-Flächen bezahlen und Tofu kaufen? Das gibt’s auch gentechnikfrei und aus Österreich, keine Frage.

Wir fragen uns: Ist Milchverzicht also sinnvoll und/oder richtig?
Jedenfalls richtig ist, dass Ötzi noch keinen Milchzucker verdauen konnte, womöglich aber Käse. Das war in der Jungsteinzeit oder Kupfersteinzeit, also vor etwa 5000+ Jahren. Sehr bald nach ihm fingen die Bleichgesichter in Mittel- und Nordeuropa an, Tiere zu halten und daher auch das Drüsensekret von Paarhufern zu trinken. Dadurch entwickelten sie die Fähigkeit, den Milchzucker im Dünndarm auch nach der frühen Kindheit weiterhin im Darm aufzuspalten („Laktasepersistenz“), um dann seine Bausteine Glukose und Galaktose in den Körper aufzunehmen.

Ca. 70 bis 80 Prozent der Menschen in unseren nördlichen Ländern haben das bis heute nicht „verlernt“ und sind daher in der Lage Milch und Milchprodukte, aber auch Melchermuas, Grießbrei und andere alpine Köstlichkeiten zu verwerten.

Kuh auf AlmJa zu Almen. Ja zu Genuss. Ja zu Milchprodukten.
Für alle, die Milchzucker verdauen können, kann das Ende der Milchquote ein guter Anlass sein, jetzt erst recht Milch und Milchprodukte aus kleinteiliger, regionaler Landwirtschaft und regionalen Molkereien zu beziehen. Nicht nur wegen Landschaft, auch wegen Wirtschaft, wer das alte EAV-Lied noch kennt. Und Genuss – mutmaßen zumindest deutsche Urlauber, die die hiesige Milch viel besser finden.

 

Ist das gesund?
Gesund ist eine Ernährung, die bedarfsdeckend ist. Nach dem ersten Weltkrieg haben die Frauen um die Milchzuteilungen für ihre Kinder gestritten. Ich stelle mir gerade einen Milchgegner auf einer Zeitreise vor, wie er einer Mutter von sechs Kindern erklärt, dass pflanzliche Nahrung sowieso viel besser ist. Seltsam ist nur, dass er oder sie selber mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Kakao, Pudding und Bananenmilch aufgewachsen ist…

Petra A.C. ist Diätologin und teilt mit Luft und Liebe ihre Gedanken rund um Ernährung. Die Verbindung von ernährungsmedizinischen Erkenntnissen, Kulinarik und Nachhaltigkeit hält sie für gescheit und genüsslich.

2 comments

  1. Da ich darauf hingewiesen wurde, dass Kommentare auf ihrer Facebookseite wohl nicht sichtbar für andere Benutzer sind übermittle ich Ihnen die Kritik zu ihrem Artikel gerne auch auf diesem Wege.

    In Ihrem aktuellen Beitrag „Milchverzicht mag Almen nicht“ wird dem Leser eine sehr einseitige und unreflektierte Sichtweise als aktueller Stand der Wissenschaft suggeriert. Die Erkenntnisse der Ernährungsmedizin der letzten Jahre werden schlicht unterschlagen, denn die durch wissenschaftliche Studien erforschten Fakten über die Schädlichkeit von Milch sind erdrückend.

    Das Milchprotein Kasein führt aufgrund des hohen Gehalts an schwefelhaltigen Aminosäuren zu einer Übersäuerung des Körpers. Folglich wird diese durch das im Körper vorhandene Kalzium, schlussendlich sogar durch Kalzium direkt aus den Knochen, neutralisiert.

    Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall können durch einen hohen Gehalt an schlechtem Cholesterin (LDL) und gesättigten Fettsäuren entstehen. Ein konkretes Beispiel dazu liefert Finnland da es zu den Ländern mit dem höchsten Milch- und Milchproduktekonsum gehört. Finnland hat die weltweit höchste Infarktsterblichkeit.

    Weiters grenzt das Anpragern von Kalauern wie „weil Milch ihrer Ansicht nach ohnehin nur etwas für Babys und Kalbl’n ist“ ohne dazugehörige Richtigstellung schon fast ans Lächerliche. Denn bei Kleinkindern forcieren sie mit tierischer Milch- sowie Milchprodukten beispielsweise folgende Entwicklungen:
    Biologisch betrachtet stellt sich der Körper eines Kleinkinds nach dem Abstillen um, es fehlt das Enzym um Milchprotein verarbeiten zu können. Der Körper bildet infolge dessen Antikörper gegen das fremde Kasein der Kuhmilch und somit auch gegen die eigenen insulinproduzierenden Zellen. Das ist der Fall bei Kleinkindern, wenn sie zu früh statt mit Muttermilch mit tierischer Milch gefüttert werden. Diese entwickeln eine hohe Anfälligkeit für Diabetes Typ I.

    Sollte die Autorin, wie im Artikel angeführt, wirklich die Ausbildung zur dipl. Diätologin erfolgreich abgeschlossen haben spräche das nicht für die Qualität und Aktualität der – meines Wissens nach 6-semstrigen – Ausbildung zum/r Diätologen/in. Auch in der Ernährungsmedizin finden neue Erkenntnisse zwar nur sehr langsam Einzug in Lehrsääle und -bücher, doch so einseitig wie in diesem Artikel wird wohl keins der Themen während des Studiums beleuchtet.

    Ich würde Ihnen, wie auch jedem interessierten Leser, eine YouTube Suche nach „Milch“ ans Herz legen. Selbst die so gefundenen Internetvideos weisen deutlich differenziertere Ansichten auf als die, die in diesem Artikel nur halbherzig beleuchtet wurden. Dadurch wirkt der Beitrag wie ein bezahlter Werbetext statt wie der Fachbeitrag einer Diätologin.

    https://www.youtube.com/watch?v=Og-QVL3RZTE

    1. Hallo Max,
      danke für das Kommentar. Ich war auf Urlaub – nun leite ich Ihr Kommentar aber gerne an die richtige Ansprechpartnerin weiter.
      Herzlichen Dank für die Gelduld,
      Petra

Eine Antwort schreiben