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Glyphosat schädigt Boden und Würmer

Im Frühjahr 2015 schreckte auf, dass die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO das Herbizid Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ einstufte. Nun  lässt die Studie der BOKU aufhorchen: das Herbizid schädigt demnach den Boden – und die Lebewesen wie Regenwürmer.

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.  (DiePresse.com)

Glyphosat ist weltweit das am meisten eingesetzte Spritzmittel gegen Unkraut. Die Einstufung als krebserregend nahm die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO im März 2014 vor. Das Herbizid wurde in die zweithöchste von fünf Kategorien eingeteilt.

Rückstände in Lebensmitteln

Von 2009 bis 2012 wurden von der AGES über 1000 Lebensmittelproben auf Glyphosat untersucht. In drei von 133 Getreideproben wurde der Stoff in sehr geringer Konzentration (zwischen 0,02 und 0,05 mg/kg) nachgewiesen, die gesetzlichen Höchstwerte im konventionellen Anbau bei Getreide liegen zwischen 0,1 und 20 mg/kg.

Auch bei Hülsenfrüchten (13 Mal bei 68 Proben) und in Ölsaaten (fünf Mal bei 22 Proben) wurde Glyphosat nachgewiesen, allerdings weit unter den gesetzlichen Höchstgrenzen. Bei zwölf Proben (Hülsenfrüchte, Ölsaaten) mit einem positiven Befunde handelte es sich damals um Bioprodukte.   (DiePresse.com)

Gegendarstellung der ARGE: Glyphosat erhielt im Jahr 2002 eine EU-weite Zulassung und befand sich im März 2014 im turnusmäßigen Wiederzulassungsverfahren.

Auswirkung auf Bodentiere erst erforscht

Obwohl Unkrautvernichtungsmittel auf Glyphosat-Basis bereits seit geraumer Zeit nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt werden, sei über die Auswirkungen ihres Einsatzes unter realen Bedingungen relativ wenig bekannt, erklärte Johann Zaller vom Wiener Institut für Zoologie der Universität für Bodenkultur (Boku) im Juli 2015. Es gebe zwar wissenschaftliche Daten, die auf Probleme in Verbindung mit dem Einsatz von Glyphosat hinweisen, „aber was Bodentiere betrifft, ist das einer der ersten Befunde, der in einem einigermaßen realistischen Ansatz gemacht wurde“, so Zaller.

 Erhöhte Nitrat- und Phosphatwerte im Boden

Die weltweit am häufigsten verwendete Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat reduzieren die Aktivität und Reproduktion von Regenwürmern und führen zu erhöhten Nitrat- und Phosphatwerten im Boden. Diese Forschungsergebnisse von WissenschafterInnen der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) wurden jetzt in „Scientific Reports“ veröffentlicht.

Eigentlich sind Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat dazu da, unliebsame Pflanzen zu eliminieren – sie stören Stoffwechselprozesse, die nur in Pflanzen vorkommen und galten lange als unbedenklich für alle nichtpflanzlichen Organismen. In Österreich sind derzeit 36 Produkte mit dem Wirkstoff Glyphosat zugelassen; über 400 Tonnen werden jährlich – z.T. mit Förderungen – im Ackerbau, Weinbau, in Kommunen und privaten Gärten versprüht. Obwohl diese Mittel seit vier Jahrzehnten weltweit verwendet werden, ist über deren Nebenwirkungen auf sog. Nicht-Zielorganismen und Konsequenzen für Nährstoffkreisläufe in Ökosystemen noch immer sehr wenig bekannt.

Dramatische Auswirkungen auf Regenwürmer

„Im Gegensatz zu anderen Studien, die die Wirkung von Herbiziden auf Nicht-Zielorganismen im Labor in Petrischalen untersucht haben, versuchten wir im Gewächshaus in sog. Mesokosmen die Voraussetzungen im Feld einigermaßen realistisch nachzubilden“, erklärt Mailin Gaupp-Berghausen, eine der BOKU-StudienautorInnen. „Das verwendete Unkrautvernichtungsmittel mit dem Hauptwirkstoff Glyphosat hatte in der vorgeschriebenen Dosis die Aktivität von tiefgrabenden Regenwürmern dramatisch reduziert, horizontalbohrende Regenwürmer brachten nur mehr halb so viele Nachkommen zur Welt als unter Nicht-Herbizid Bedingungen.“

Quellen:

Presse-Aussendung der ARGE Glyphosat, März 2014

Meldung über Bodenschädigung: APA Science, 06.08.2015

Science Report

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