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Bedrohung durch Spritzmittel: Ein Schicksalsbericht

Luft und Liebe ist sehr betroffen – und zutieftst berührt über mögliche dramatische Folgen von Spritzmitteln. Danke an eine liebe Bekannte, die durch das Teilen verarbeiten und warnen möchte.

Die Folgen haben Namen – meist Männernamen, die zu schwer kranken Menschen gehören. Es ist die wahre Geschichte eines Mannes, sein Leben lang fleißig; Bauer, Vater, Freund, Patenonkel. Über alles kann man reden, es gibt keine Probleme, die man nicht lösen kann.

Manchmal braucht’s einfach Geduld hat er immer gesagt.
Ja die braucht´s. Vor allem jetzt und vor allem er selbst. Wir können uns eine Auszeit nehmen, wenn´s zu viel wird. Ein anderer springt ein, übernimmt die Pflege. Er bleibt gefangen, in seiner Krankheit, die langsam schleichend gekommen ist, durch die Arbeit mit den Spritzmitteln.

Der Neni. Oft liegt er wach in der Nacht, kennt sich nicht aus, weiß nicht mehr welche Uhrzeit. An manchen Tagen kennt er uns – seine Kinder und Enkelkinder. Manchmal sind wir für ihn seine Geschwister – die alle schon längst tot. Und wenn´s ganz schlimm ist rufen ihn die Geister einer längst vergangenen Zeit.
Bauer war er, unser Neni. Ein großer stattlicher Mann. Geboren mitten im Krieg. Den Hunger hat er als Kind erlebt. Haus und Hof sind verbrannt, die Tiere im Stall wurden allesamt Opfer des Feuers. Bis auf den Hahn, der hat überlebt. Nichts mehr da, alles aus. Der Vater in Gefangenschaft, der Bruder gefallen. Er war zu Hause, weil er einer von den Kleinen war.
Als 12-Jähriger beginnt er mit der Mutter, den Schwestern und dem noch kleineren Bruder wieder aufzubauen. Die erste Arbeit – in der Asche suchen, was vielleicht noch brauchbar ist. Er findet einen Löffel, zerbeult aber brauchbar. Der Löffel ist noch heute da – bekommen wird ihn einer von den Enkeln, damit sie nie vergessen…

Irgendwann kommt der Vater heim, es geht aufwärts. Die Erinnerung an den Hunger bleibt. Der Neni übernimmt den Hof, baut den Betrieb aus. Sein größter Reichtum – seine Lebensmittel selbst zu produzieren, von niemandem abhängig sein.
Das wichtigste Ziel der Politik, den Hunger der Menschen zu stillen, zu produzieren was Feld und Acker hergeben. Damit’s funktioniert braucht’s Roundup und Co., damals auch noch DDT.

Wie alle hat auch der Neni Spritzmittel eingesetzt. Sorgfältig war er, wie bei allen Arbeiten. Auf die Menge hat er geachtet, damit´s nicht zu viel wird. Auf´s Wetter hat er geschaut, damit die Einwirkzeit passt. Alles sorgfältig verstaut, damit die Kinder nicht hinkommen.
Eine gute Ausbildung hat er auch der Neni, Meister in der Landwirtschaft. Er versteht sein Handwerk. Andere Bauern fragen an, ob er das „Spritzen“ auch auf ihren Äckern übernehmen würde. Ein Zuverdienst ist keine schlechte Sache, er übernimmt Aufträge.

Er kommt mit den Spritzmitteln in Berührung, immer und immer wieder. Er trägt keine Schutzmaske, niemand hat darauf hingewiesen. Handschuhe hat er getragen, eigentlich immer. Nur oft getränkt und nass vom Anrühren. Eine lange Einwirkzeit auf der Haut, viel giftiger Nebel in den Atemwegen. Das Gift gelangt in die Nervenbahn und beginnt zu wirken. Ob es alleine den Ausschlag gegeben hat weiß man natürlich nicht – aber mit Mitte 60 die Diagnose…

Diagnose – Parkinson
Zuerst will er es nicht wahrhaben der Neni, dieses Zittern. Die kleinen tappelnden Schritte. Das ausdruckslose Gesicht. Das abwesende Lächeln, wenn er in seine Welt abtaucht. Es kommt vor allem wenn er viel gearbeitet hat. Es war halt heute anstrengend sagt er. Man wird älter sagt er. Er muss lange gedrängt werden bis er die Medikamente nimmt. Es wird immer schlechter, er verliert den Kampf. Ein langsamer Kampf. Ein mühsamer Kampf. Die Krankheit schreitet fort, greift sich seinen Körper, er hat keine Kontrolle mehr.

Von der Seele geschrieben, während wir zu Ostern unseren Neni betreuen, weiter Landwirtschaft betreiben und aus Überzeugung achtsam mit der Natur umgehen.

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